CD-Kritik
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Yellow Umbrella

Stoned Steady (2003)

Yellow Umbrella "Stoned-Steady" 2003 (Rain Records)
Review vom 7.9.2003

Na dann werde ich mal vorpreschen und wohl einer der ersten Reviews über die neueste Scheibe der Dresdener Yellow Umbrella schreiben "Stoned-Steady".

Gewagt ist es nicht, weil ich keine andere Review zuvor gelesen habe - so was ist ohnehin nicht meine Art - sondern, weil ich sie erst seit wenigen Tagen in der Hand habe.

Schon mal vorweg, beim ersten Hören klingt die CD etwas wie der geschmeidige Abgesang auf alte Zeiten. Auf die freiwillig aufgelöste Band. Sehr, sehr leise zum Teil. Fast nostalgisch klingen Sound, Texte und Stimme. Kein Vergleich zu den früheren stark und mächtig klingenden Scheiben. Es wirkt irgendwie alles recht nachdenklich (Song 13: Survive In This World / Song 5: Modern Slavery) - oder doch stoned, wie der CD-Titel verraten mag?
Dass bei der Erstellung des Frontcovers jemand stoned war, hoffe ich einfach mal. Ein One-Pic-Comic, so scheint es mir. So weich, so soft, so harmonisch wie aus der Werbung für eine Telefongesellschaft, Nivea-Creme oder einer Tabakfirma "geklaut" - im 70er Jahre Stil.

Da wir gerade beim Titel sind, seie auf die Verbindung zum Rock-Steady eingegangen. Das ist es wohl, was die Scheibe in weiten Teilen prägt. Soulig und sehr geschmeidig kommen da die Songs daher, die manch Ska-Fremden immer auf die Idee kommen lassen, SKA seie Zirkusmusik (Song 3: I Will oder Song 4: PerestroiSKA).

Die mit 14 Stücken durchaus kompakte CD verspricht hierneben natürlich auch den klassischen Reggae-Sound (Song 5: Modern Slavery). Lied 12 "Black Sun" kommt mir irgendwie bekannt vor, was aber nichts macht, denn der Sound gefällt mir sehr gut. Song 9, Granny, wird einen ebenfalls gerne an die klassisch, reggae-mäßigen, langsameren Songs der "früheren" Yellow Umbrella erinnern - kurz - wie das Lied selber.

Neben den etwas jazzigen (und Blues?-An-) Teilen und den SKA-Elementen (Song , die mit deutlichen Bläsern (wie gewohnt) daherkommen, wendet sich das Blatt, wenn man sich an die Geschwindigkeit gewöhnt hat und den klasse Gesang bzw. die tolle Stimme vom Sänger, Jens, beachtet. Es ist eben halt auch keine Stimme für den krassen SKA-Punk. Melodiös schlendert sie angenehm und charakteristisch durch jeden Song. Mein absoluter Favorit ist der chartsfähige Song 13: Survive In This World, der mir auch textinhaltlich sehr gut gefällt! (Ja! Mir gefallen auch langsamere Stücke!

Nicht mehr so krass, aber dennoch anwesend ist das, was ich als "multikultural SKA" bezeichne. Die Einflüsse "fremder" Musikkulturen. Auch hier ist Song 4 "PerestroiSKA" ein gutes Beispiel für das Aufgreifen russischer Stilelemente, wie es bereits in früheren Produktionen der Fall war (Ebenso: Dracul SKA, einer der schnellsten Songs auf der Scheibe).

Ebenso wie die Stimme zum Sänger gehört, gehört der Synthy zum "Typ" und den Yellow Umbrella. Auch hier kann man sich auf eine Kontinuität verlassen. Mal mehr, mal weniger markant, aber immer da. Und jetzt verbrenne ich mir möglicherweise die Finger, wenn ich mich da an Calypso erinnert fühle.

Und ein wenig gecover ist auch hier zu finden. Manchmal klappt es, manchmal ist es ok, manchmal wirkt es einfach komisch. Ich überlasse es mal euch, wie ihr es findet, wenn z.B. John Lennon in Song 3 grüßt (auch gecovert: Song 6 und 10 - Boys Don't Cry).

Ganz erhellend sind die Kommentare zu den einzelnen Songs auf der CD

Mein Fazit:
Für meine Begriffe sicherlich nicht die beste CD der Yellow Umbrella, aber sie hat einen gewissen Charme, der vielleicht in den obenstehenden Zeilen etwas zu kurz kam. Diese Scheibe bedarf der Eingewöhnung für Leute, die den klassischen SKA oder die weitläufigen Crossover-Ska-Interpretationen gewöhnt sind. Wie gesagt, es wirkt alles recht sanft und nachdenklich, was eben kein musikalischer Fehler ist. Und in dem ein oder anderen Lied geht es ja dann doch richtig ab. Vielleicht sind es die Gitarren, die mir hier manchmal fehlen.

Ein soulig, ska-reggae-rocksteady-mässiges Teil, an das man sich gewöhnen kann. Und zur richtigen Tageszeit und mit den richtigen Utensilien, ein passendes Beiwerk für schöne, entspannte Stunden

Wie das Ganze nun live klingt, kann ich natürlich (noch) nicht beurteilen. Ich wage eine heikle Prognose. Wir werden sie wiedersehen - live. Ich wünsche es dem Publikum.

DerDUDE

P.S.: Dass jetzt von Seiten der Yellow Umbrella professionell etwas die Marktschiene gefahren wird, lässt mich weder die Band noch diese Scheibe in Frage stellen. Musik kann man nur machen, wenn man gegessen hat.

Homepage: www.yellowumbrella.de
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