
Miansha:
Hallo! Mal ein paar Fragen direkt zu euch, wenn ich darf?:
Wie würdet ihr eure MusikRichtung heute als Ska-Band näher charakterisieren?
The Busters:
Stefan: Unsere Richtung ist erst einmal, auf ziemlichen hohem
Niveau viel Spaß zu verbreiten. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner. Ansonsten
basiert da Ska-Punk, Jazz-Ska, Oldschool, Rock Steady und Two Tone. Das ist
alles irgendwie mit drin, abgesehen von den Einflüssen, die noch ganz woanders
herkommen, wo Ska gar nichts mit zu tun hat.
Miansha:
Wie seid ihr damals 1987 auf den Bandnamen gekommen?
The Busters:
Stefan: Das Wort „Buster“ ist in der Ska- und Reggaeszene eigentlich
ziemlich gebräuchlich. Prince Buster war immer ein großes Vorbild von uns. Dann
gab es noch Buster Bloodvessel von den Bad Manners. Abgesehen davon heißt „busters“,
hat mir mal eine Radiomoderatorin gesagt, die es nachgeschlagen hat, „bemerkenswerte
junge Männer“. Und das wäre ja wirklich... ( alle lachen )
Richie: Bravo!
S
tefan:
Vor allem „junge“.
Miansha:
Welche Ska-Band / Ska-Persönlichkeit hat euch
in der letzten Zeit am meisten beeinflusst?
The Busters:
Richie: Da wir elf verschiedene Leute in der Band sind, hat
jeder so seinen eigenen Einfluss, klar. Unsere Instrumentalisten, wie z.B. Robert,
sind natürlich (oft) ziemlich beeinflusst von den Skatalites und ich glaube,
dass sich das so durch die Band durchzieht. Um einen gemeinsamen Nenner jetzt
hervor zu bringen, sind auf jeden Fall die Skatalites zu nennen. Aber natürlich
auch Bands wie Madness oder die The Specials. Jeder einzelne von uns hat natürlich
noch seine persönlichen Favouriten.
Stefan: Es ist nicht so, dass wir herum
laufen und uns angucken, was da so alles in der Skaszene los ist und dann sagen,
„so möchten wir jetzt auch mal klingen!“. Das ist eher das, was andere Leute
mit uns machen.
Richie: Auch sehr wichtig ist, egal
ob das jetzt eine junge oder ältere Band ist, seinen eigenen Stil durchzusetzen.
Und vorallem, es ist natürlich nicht schlecht Vorbilder zu haben, aber es ist
noch wichtiger, sich selber darzustellen und nicht irgend eine andere Persönlichkeit.
Miansha:
Welches ist euer Lieblingssong/ -CD?
The Busters:
Richie: Wow, da gibt es viele! Also, Richtung Ska oder alles
Mögliche?
Miansha: Alles Mögliche.
Richie: Wow, das wird jetzt kompliziert.
Was hör ich denn sonst? Ich muss sagen, ich bin ein großer Bob Marley
Fan. Schon immer gewesen. Da höre ich so ziemlich alles was es von ihm gibt.
Ich habe auch gewisse Tendenzen zu The Police. Die ganz alten Platten von denen
haben mich schon ziemlich beeindruckt. Da kann ich sagen, ein Einfluss ist da.
Ich hör so ziemlich alles eigentlich. Deshalb kann ich nicht sagen, dass es
eine bestimmte Platte gibt, die ich jetzt durchgehend hören will.
Stefan: Ich schliesse mich an. Ich höre
zuhause keine Musik im Moment. Überhaupt nichts. Ich spiel jeden Tag. Ich komm
gar nicht dazu.
Richie: Ich kann jetzt jederzeit wieder
die The Specials hören. Problemlos. Ich kann die Scheibe dann gerne durchhören
und freu mich jedes Mal. Aber ich höre jetzt nicht jeden Tag die The Specials.
Wenn man selber Musik macht, vorallem Ska, dann ist es sehr wichtig, dass man
ein breites Spektrum hört. Dass man möglichst Vieles hört, ja. Wobei viel
heisst jetzt nicht Dieter Bohlen oder Daniel Küblböck. Aber viele Einflüsse
von Aussen mit reinnimmt, in sich aufnimmt.
Miansha:
Welche MusikRichtung, neben dem SKA, hat euch am meisten geprägt?
The Busters:
Stefan: Ganz sicher hat Punk eine ganze Menge mit uns zu tun.
Northern Soul würde ich noch sagen. Bei einigen Kompositionen früherer Zeiten
hat Frank Zappa ganz sicher Pate gestanden. Ja und was mich angeht, der Pop-Rock
in den 70igern. Dr. Feelgood und so was. Das rockt!
Richie: Das ist richtig! Ich kann mich dem anschließen. Ich hab auch viele Oldies gehört, 60iger Jahre. Klar, ich mein, wer hört keine Beatles? Oder wer hat keine Beatles gehört? Also ich denke da gehört alles dazu.
Miansha:
Miansha:
Es gibt Stimmen, die den The Busters zunehmend Kommerz vorwerfen. Sie würdeen
den SKA verkaufen. Was sagt Ihr diesen Leuten?
The Busters:
Stefan: Das würde ja bedeuten, dass irgend jemand Ska
kaufen würde. So ein Bullshit hab ich noch nie gehört. Das heisst,
man hört ihn leider zu oft, aber es ist wirklich ziemlicher Bullshit. Das
würde bedeuten, dass wir jetzt die Multimillionäre wären und
jeden möglichen Scheiss unter unserem Namen verkaufen, nur um an Geld zu
kommen. Wir können jetzt gerne mal bei meiner Bank anrufen, da ist noch
keine Million eingegangen. Wir machen, wie schon zu Anfang, genau das was wir
wollen. Was man uns vorwerfen kann, und was einigen Ska-Leuten bestimmt ein
Dorn im Auge ist, ist dass wir so ein bisschen die Perfektionisten auf dem Gebiet
sind. Und da kann ich verstehen, dass so mancher sauer ist. Ansonsten, wer gute
Musik hören will, hört uns.
Riechie: Es ist eine Definitionsfrage.
Was ist Kommerz? Sobald du eine CD verkaufst, bist du eigentlich schon kommerziell,
weil du auf dem Markt angeboten wirst. Ich glaube insgeheim, dass jede Band,
die Musik macht, irgendwann davon träumt von der Musik leben zu können. Und
das als Vorwurf zu nehmen und zu sagen, ihr seid kommerziell, und ihr verkauft
den Ska, find ich jetzt absoluter Blödsinn. Ich mein, sonst würden wir das mit
Sicherheit nicht so viele Jahre schon machen. Wir stellen uns auch einer gewissen
Verantwortung. Wir nehmen auf unserer Tour immer auch jüngere Bands mit und
unterstützen diese. Diese Bands würden uns nicht als Kommerz bezeichnen, wenn
sie nicht mit uns auf Tour gehen würden. Wir haben beispielsweise unser eigenes
Label, auf dem wir auch u.a. jüngeren, talentierten Bands eine Chance geben.
"Perfektionelle" Hilfe in Form von Erfahrungen weitergeben und Anlaufhilfen
bieten. Das ist unser Ziel. Und das mit Kommerz gleichzusetzten ... ? Da gibt
es andere Bands, die auch Ska machen und wesentlich kommerzieller als wir sind.
Stefan: Ausserdem, was glaube ich auch noch hinter diesem Vorwurf steckt, ist dass wir den Ska für Leute geöffnet haben, die jetzt auf diesem Festival hier gerade nicht zu sehen sind, die aber die Musik gut finden. Leute, die dann zum ersten Mal mit uns Ska hören und dann sagen, „hey moment, da gibt’s ja noch andere Bands! Die könnte ich mir auch mal anhören.“ Es sollten sich manche Leute überlegen, ob sie sich nicht selber ins eigenen Knie schiessen, wenn sie uns das vorwerfen, dass wir Leute an die Musik ranholen, die normalerweise keine Irokesen tragen und nicht am ganzen Körper tätowiert sind.
Miansha:
The Busters Pension Fund, rund um Jan Hinrich Brahms, ist eine Art lockeres
Kollektiv von Alt-Musikern der früheren The Busters!? Welche Beziehung habt
ihr noch zu ihnen?
The Busters:
Richie: Wir leben sozusagen mit ihnen. Das lustige ist, dass
Wiesloch, da wo wir herkommen, relativ klein ist. Das ist eine Stadt mit knapp
20.000 Einwohnern. Das heisst, ein Klaus Huber läuft uns über den Weg; Stefan
Kellers Bruder, Martin, ist ja auch noch in der Band. Die Kontakte sind auf
jeden Fall da. Ich werde auch am 1.4. (2005, d. Red.)
in den Schwimmbadclub gehen und die Bühne entern, wenn sie dahin kommen. Das
werd ich mir auf jeden Fall antun, weil es einfach grossartig zu sehen ist,
wenn ältere Menschen Spass auf der Bühne haben. Und ich habe gehört, dass Thomas
Scholz diesmal auch singen wird.
Stefan: Echt?
Richie: Ja! Und das will ich mir nicht
entgehen lassen!
Miansha:
Gibt es eine Vor- und Nach-Aera der The Busters um das Jahr 2000? Was hat sich
genau geändert?
The Busters:
Richie: Ja klar, es hat sich in dieser Zeit schon einiges geändert,
weil um 2000 Klaus Huber und Mäx Grittner ausgestiegen sind. Das waren
also zwei von den Gründungsmitgliedern, was natürlich immer erstmal
für Entsetzen sorgt, auch in der Szene und bei den Bustersfans. Und dementsprechend
hat sich die Band natürlich umgeschaut nach entsprechenden Nachfolgern.
Unter anderem meinem Einstieg und dann sozusagen mit dem weiteren Fortbestehen
von Rolf, unserem Bassisten, der eigentlich schon immer von Anfang an dabei
war. Ansonsten, was ist da groß revolutionäres passiert im Jahr 2000?
Stefan: Ich würde es nicht als
Revolution, sondern als Evolution bezeichnen, weil natürlich jedes Bustersmitglied,
die Busters auch prägt. Und jeder, der dann nicht mehr Mitglied ist, prägt
die Busters eben nicht mehr. Insofern hat sich da schon einiges verändert.
Aber ich würde das jetzt nicht mit einem Satz irgendwie ansetzen. Jeder
hat sich eingebracht, mit dem was er so macht, und ich würd nicht sagen,
dass es schlechter geworden ist.
Miansha:
Ein paar Fragen zu euren Konzerten: Was waren eure besten und schlimmsten Konzertorte?
The Busters:
Richie: Konzertorte? Oder Konzerte im allgemeinen?
Miansha: Beides!
The
Busters:
Richie: Beides, wow das ist ..
Stefan: Als bestes Konzert, ohne irgend
ein anderes Konzert runtersetzen zu wollen, was sicher auch sehr gut war, und
von den Leuten klasse war, aber in Osaka das erste Mal auf japanischem Boden
zu spielen und so empfangen zu werden, das war schon der Hammer! Da hat so der
eine oder andere von uns eine Träne verdrückt! Ein weinendes und ein lachendes
Auge.
Richie: Osaka war mit Sicherheit eines der beindruckendsten Momente in userer Geschichte. Es gibt aber auch immer wieder andere Konzerterlebnisse. Es hat nicht unbedingt damit zu tun, vor wie vielen Leuten du spielst, aber es gibt einfach immer so prägende Momente. Ich bin zum Beispiel großer Fan von Manu Chao. Für mich war das auch ein großartiges Erlebnis, mit ihm auf der Bühnen stehen zu dürfen. Das war vor zwei oder drei Jahren. Das sind immer so einschneidende Erlebnisse, die jeder persönlich für sich hat.
Schlechteste Erlebnisse gibt es natürlich auch, aber
das gehört zu unserer Ideologie, dass wir prinzipiell sagen, wir sind einfach
Musiker, wir lieben diese Musik! Wir lieben zu spielen, desshalb haben wir,
wenn wir auf die Bühne gehen, erst mal unseren Spass! Und diesen Spass versuchen
wir natürlich auf die Leute zu übertragen. Und ob das jetzt 20 Leute sind, fünf,
oder auch tausend oder zweitausend, das ist egal. Die Musik geht voran.
Stefan: Osaka war für mich in beiderlei
Hinsicht ein Extrempunkt, weil ich auf einem anderen Hocker spielen musste als
auf meinem. Das wurde ja alles gestellt. Ich fand es auf jeden Fall sehr erregend,
nach 12 Stunden sitzen im Flugzeug und kurz mal drei Stunden Pause und dann
noch mal 8 Stunden im Auto, an ein Schlagzeug zu kommen, wo der Hocker ungefähr
halb so hoch geht wie meiner. Das war dann von der Physis her etwas, dass das
positive Erlebnis etwas schmälerte. Aber das sind solche Sachen, die fallen
mir auch erst ein, wenn ich länger drüber nachdenke. Ob jetzt das Haus irgendwie
komisch war, oder irgendwo was reingeregnet hat. Wenn wir spielen ist alles
paletti!
Miansha:
Wie würdet ihr euer Publikum charakterisieren?
The Busters:
Richie: Eine gern genommene Frage. Wir haben einfach ein komplett
buntes und durchgemischtes Publikum. Da treibt sich jeder rum, der gerne aufs
Konzert kommt, der gerne Musik hört. Wir sind eigentlich keine klassische
Szeneband. Wir sind eine Band, die alle möglichen Leute anspricht. Das
hat man auch vor allem auf der letzten Tour wieder gesehen. Ob das jetzt 15
bis 50jährige sind, Skins, Punks oder sonstige Leute, ist unwichtiger geworden.
Die Musik steht im Mittelpunkt und wenn einem die Musik gefällt, dann geht
er aufs Konzert. Unabhängig davon, welche Band es ist. Wenn die Musik stimmt,
dann kommen die Leute.
Miansha:
Was spielt ihr als Zugabe (welchen Song)?
The Busters:
Stefan: Wir haben immer einen Kessel Buntes als Zugabe dabei.
Weil es auch Umstellungen gibt, ist nie ganz klar, was das dann sein wird. Aber
es wird auf jeden Fall "Summertime" dabei sein. Es sind zwei Lieder
von der "Revolution Rock" dabei, in einem anderen Gewand als auf der
"Revolution Rock". "Revolution Rock" ist ja sehr traditionell,
rock steady-mässig. In den zwei Arrangements, die wir jetzt haben, gehen
die Songs ein bisschen mehr ab. Was wird noch dabei sein? Machen wir Fanwahl
diesmal?
Richie: Nene. The Easyiest Way, so eine Rock Steady Nummer. Wir wechseln natürlich. Wir haben keine feste Nummern, die wir jedes Jahr machen, sondern wir gestalten jedes Jahr unser Programm neu. Dementsprechend verschieben sich manche Lieder.
Miansha:
Gibt es ein verrücktes Erlebnis auf einer Tour, welches erzählenswert
ist?
The Busters:
Stefan: Es ist eigentlich alles immer verrückt.
Richie: So Sachen fallen mir immer dann
ein, wenn die Frage schon längst gestellt worden ist, und ich dann abends irgendwie
im Bett lieg und denke „Das hättest du eigentlich erzählen können!“ Nee, ganz
verrückt fällt mir nichts ein.
Stefan: Naja gut, diese Illinois Geschichte,
die ist schon uralt. Das war `91. Da sind zwei Wohnmobile von den Busters von
Polizeikräften mit Waffengewalt aufgebracht worden, weil die bei der Polizei
als gestohlen gemeldet waren. Zumindest im Computer, weil der Besitzer das noch
nicht korrigiert hatte. Anscheinend wollte er die Versicherung bescheissen.
Dann kam es zu einer Verfolgungsjagd wie bei den Bluesbrothers ;-) Nur mit weniger
Totalschäden. Und wir waren wirklich unschuldig!!! ;-)
Miansha:
Mit welcher Band würdet ihr am liebsten zusammen auftreten?
The Busters:
Stefan: Manu Chao ist schon...
Richie: ...abgehakt.
Stefan: Ist wirklich eine schwierige
Frage.
Richie: No Doubt fänd ich auch mal lustig
;-) Obwohl, das ist ja wieder Kommerz.
Stefan: Keine Ahnung. Ich würde sehr
gern wieder mit Manu Chao auftreten. Spontan, klar, mit den alten Specials,
wenn’s die noch gäbe in der Konstellation. Das meiste haben wir eigentlich schon
gemacht, oder? Mit Selecter sind wir aufgetreten, die Aerzte waren natürlich
auch dabei. Greenday wär mal lustig, mal gucken wer länger durchhält.
Miansha:
Was mich schon immer beschäftigt, ist die Frage, wie ihr mit Nazi-Skins
auf Konzerten umgeht?
The Busters:
Stefan: Da sind keine. Da sind echt keine. Das wäre ja ziemlich
schizophren einen Haufen Geld für eine Konzertkarte von uns auszugeben, nur
um zu entdecken, dass man da völlig falsch ist. Ansonsten ignorieren.
Richie: Oder wenn sie zu offensiv sind
... von der Bühne runter werden die natürlich ignoriert. Aber es gab da schon
mal, also wenn sich einer in Nachhinein so geoutet hat, heftige Diskusionen.
Dann stehen wir auch zu unseren Positionen.
Stefan: Das muss dann schon sein. Wenn
einem beim Feierabendbier mit komischen Sprüchen reingequatscht wird, das
kann man nicht auf sich sitzen lassen. Das geht nicht. Aber auf der Bühne, was
die Show angeht, naja, die Jungs stehen im Schatten.
Richie: Das wirklich Schöne ist, dass die gesammte deutsche, europäische und internationale Skawelt an einem Strang zieht. Un d das konsequent. Die Jungs wissen auch, dass sie auf diesen Konzerten komplett unerwünscht sind. Und dementsprechend sterben sie auch langsam aus, was auch gut ist, weil die braucht keiner.
Miansha:
Die Japan-Tour „Japanized“ 2004/2005 war sicherlich ein einschneidendes Erlebnis.
„Sukiyaki“ und „Tokoyo Ska Zone“ war neben zwei anderen Songs, die Konsequenz.
Wie hören sich diese Songs an? Wie lässt sich der japanische, musikalische Einfluss
beschreiben?
The Busters:
Stefan: Die Songs hören sich ganz unterschiedlich an. Sukiyaki
ist ein wenig eine Schmalznummer. In den 60ern lief das unter Schlager, aber
klingt bei uns jetzt natürlich viel besser. Und Tokyo Ska Zone ist eine Uptempo
Busters Jagdlust Skanummer. Und der japanische Einfluss lässt sich damit beschreiben,
dass vom Tonmaterial her auf der Pentatonik etwas rumgeritten wird, die im allgemeinen
als asiatisch angesehen wird, aber auch in der neuen Welt Anklang gefunden hat.
Richie: Sehr gut beschrieben! Diejenigen,
die japanische Skabands kennen, wie „Rollings“, „Tokyo Ska Paradise Orchestra“
oder "Doverman", die wissen, dass es da voll zur Sache geht. Und dementsprechend
haben wir auch gedacht, ok, wir müssen Geschwindigkeit reinbringen. Auf japanisch
ist das auch nicht schlecht.
Miansha:
Erwacht nun, nach der südamerikanischen SKA-"Welle", eine Asiatische?
The Busters:
Richie:
Ich hab diese Einteilungen der verschiedenen Bands schon oft gehört und
ich finde, dass hört sich immer so wirtschaftlich an, sowie kontrahierte
Zyklen und Wirtschaftszyklen. Da störe ich mich ein wenig dran, weil Ska
ist einfach eine Musik, die aus vielen Einflüssen besteht und dementsprechend
ist es auch eine Musik, die im Laufe der Jahre gewisse Einflüsse dazu gewonnen
hat. Aber eine asiatische Welle kann ich mir nicht vorstellen, weil es einfach
eine ganz andere Denkeweise ist. Die gerade spielende Band kommt aus Frankreich
( man hört Musik aus dem Saal, Los Tres Puntos spielt gerade, d. Red. )
und die haben schon sehr starke Latino-Einflüsse, was natürlich sehr
zackig und zügig ist. Und, klar, mit Ska-P ist natürlich so eine Vorreiterband
da. Was man erkennen kann, sind schon globale Unterschiede, dass du wirklich
Bands aus Deutschland hast, die eine gewisse Färbung haben und der Ska
aus Deutschland hört sich eher "so"an. Dann, Bands aus Japan,
die sich eben "so" anhören. Aber ob sich das jetzt darüber
tragen wird oder im Sinne der Welle darüber schwappen wird, kann ich mir
eigentlich nicht vorstellen. Ausser die Bands erlangen Weltruhm.
Ob das ein undurchtrainierter Europäer jemals überstehen
würde, von drei Metern Höhe ein Karatesprung nach unten zu machen,
wie das damals das Tokyo Ska Paradise Orchester gemacht hat. Ohne sich dabei
sämtliche Bänder zu reissen. Und die Wände hochzurennen. Ich
find das auch gut! Ich find das echt gut, wenn man wirklich sagen kann, "das
ist die Band aus Japan", weil es einfach diese unterschiedlichen Färbungen
und Klänge sind. Das macht auch wieder den Ska aus, diesen Charme vom Ska.
Miansha:
Kann man von einer japanischen Ska-Szene sprechen?
The Busters:
Stefan: Oh ja! Wir hatten das Vergnügen, mit zwei sehr
guten Bands in Japan zu spielen.
Richie: Nee, das waren mehr als zwei.
Das war Doverman, plus vier bis fünf. Natürlich nicht alle an einem Abend.
Wir haben hauptsächlich mit den Rollings und Doverman gespielt. Und da war noch
die "All About Ska Performance" und die "Jumping Skapunkts".
Stefan: Die haben auch so eine Art Network. Dieses All About Ska Performance: Die haben sich aus Musikern der Rollings und ein paar anderen Bands zusammengesetzt, die dann auch wieder mit weiteren Bands zusammen gespielt haben. Das war dort schon ein ziemlich gutes Geflecht.
Und jetzt mal abgesehen von den Musikern, das Publikum
kann man schon als Szene bezeichnen. Wir haben da nur ein Ausschnitt von drei
Tagen mitgenommen, aber was die anderen Bands zu berichten wussten, da geht
richtig was ab!!
Richie: Auch das, was wir gesehen haben,
wurde als Ska-Event aufgezogen. Der Japaner zieht wirklich konsequent seinen
Stil durch. Da waren wirklich alle durchgestylt, ohne Ende! Das was wirklich
bemerkenswert ist, ist diese Two Tone-Geschichte. Dass die komplett auf Two
Tone stehen und sich wirklich so anziehen. Sowohl die Bands, das Publikum als
auch die Skaszene im Gesamten.
Stefan: Das ist auch ein bisschen höher zu bewerten als bei uns, weil in Japan der Konformismus schon eher ausgeprägter ist. Das heisst, wenn sich da jemand mal entschlossen hat, nicht ganz konform zu sein, dann steht der unter so einem Druck, dass er sich natürlich dieser Gruppierung, die er sich gerade angeschlossen hat, mit Haut und Haaren anschließt. Ich denke, dass das viel mehr in Japan dazu gehört, zu einer Szene dazu zu gehören, als in Europa. In Europa, naja, da geht man so ins Büro. Und abends geht man so weg. In Japan sind die konsequenter. Eben weil der Druck größer ist. Wenn einer in Japan Rudeboy ist, dann ist er richtig Rudeboy! In Japan bist du entweder richtig ausgeflippt daneben, dann hast du aber in diesem Leben von der Gesellschaft nichts mehr zu erwarten, oder du bist eben völlig konform. Schön brav.
Stefan: Über Ska wird überhaupt nicht
geredet.
Richie: Jaja, klar. Da war Ska das,
was überhaupt völlig indiskutabel war zu machen. Das unhippste überhaupt. Aber
jetzt im Sinne hier von den Wellen, würde ich sagen zweite Welle. Also es war
schon Two Tone geprägt.
Stefan: Das war doch die zweite Welle?
Two Tone.
Richie: Ja, mein ich ja. Und als sich
die Busters gegründet haben, also im Kontext der "Ruder Than Rude"
würde ich schon ...
Stefan: Das war sicher zehn Jahre nach
der Zweiten...
Richie: Jaja, klar. Aber vom Einfluss
her? Ich würde sagen die dritte Welle, folgt dann eher den/mit Punkeinflüssen
und ist sicher auch ein bisschen flotter. Und Two Tone ist Selecter, Specials
und Madness. Die Busters sind von der zweiten Welle geprägt, aber wir befinden
uns in der dritten Welle.
Stefan: ...sind wir.
Richie: Ja. Aber das ist auch unglücklich.
Wir haben Ska gemacht, als keine Sau das hören wollte. Wir gehören zu keiner
Welle, die Busters sind so etwas anderes. Ein eigenes Ding.
Miansha:
Was kommt nach der 3. Ska-Welle?
The Busters:
Richie: Ja die Vierte!?
Stefan: Wir gehören ja zu keiner Skaszene,
und sind ausserdem viel zu kommerziell, um an irgendwelchen Wellen teilzunehmen.
Richie: Hmm... was kann man da Geschicktes
sagen? Ich glaube eine Entwicklung, boah, wie kann man das sagen? Ich glaube
das schon so Einflüsse reingehen werden wie, aber das gabs ja auch schon.
Stefan: Es gab so gut wie alles schon.
Aber ich finde, dass Ska und Punk im Moment sowieso viel mehr Einfluss in der
aktuellen Popmusik hat, als es zum Beispiel noch vor fünf, sechs Jahren war.
Es wird nicht so sein, dass eine pure Skaband wieder abräumt, mal so richtig,
so wie Madness, früher.
Miansha:
Wie kommt es, eurer Meinung nach, dass sich die meisten jungen Bands entweder
in Richtung traditional Ska oder Ska-Punk entwickeln?
The Busters:
Richie: Punk ist wesentlich medienpräsenter geworden,
und wenn ich in diesem Zeit-/Lebensalter 16 bis 19 Jahre wäre und neu anfangen
würde Musik zu machen, dann würd ich warscheinlich auch in diese Richtung
gehen. Auch weil Bands wie z.B. Greenday - Beatsteaks meinetwegen auch - einfach
da sind und auch gute Musik machen. Warum sollte man nicht diese Einflüsse
mit reinnehmen? Wir haben damals auch, beziehungsweise die Busters, Einflüsse
von Two Tone-Bands genommen. Was auch auf der Hand lag. Deshalb ist es eine
ganz normale Entwicklung.
Stefan: Meine erste Band, mit 14, war
eine Punkband. Naja, ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Miansha:
Warum hat es der Ska so schwer, sich zu etablieren? Ist Ska zum ewigen Schlummerdasein
verdammt?
The
Busters:
Stefan: Davon kann ja wohl keine Rede sein! Man kann ja Geschmack
irgendwie auch steuern. Das heisst, je öfter du irgendwas zu hören
kriegst, desto abwegiger kommen dir dann andere Sachen vor. Viel weiter von
dem Mainstream, der im Radio läuft, kann man nicht entfernt sein, wenn
man Ska macht. Vom Klangbild her, von der Art zu singen, von Allem was da dabei
ist. Und am ehesten setzt sich eine Skaband durch, wenn sie einen Sänger
hat, der auch eher nach R'n'B klingt. Man siehe Seeed. Seeed macht ja auch Reggae
und Dancehall. Haben aber ein starkes Hip Hop Klientel. Einfach, weil das von
der Ästhetik für Hip Hopper kompatibler ist, als jetzt für Skaleute
wie mich. Ich würde zum Beispiel bei der ein oder anderen Nummer sagen,
dass die schon nach Ska klingt, aber nicht, dass es Ska ist. Wenn junge Leute,
oder die Konsumenten einfach so ein bestimmtes Klangbild im Ohr haben, und du
hast damit wirklich gar nichts zu tun, dann wird sich das auch nicht durchsetzten.
Dann müsste jetzt zehn Jahre lang Musik im Radio laufen, die so ähnlich
klingt wie Ska, damit sich Ska dann allmählich wieder durchsetzten könnte.
Das war ja in der Punk New Wave-Zeit, da hat Ska ja genau reingepasst, weil
da drei Jahre vorher schon hektische Musik im Radio lief. The Ramones und Clash,
und dann wars völlig folgerichtig, dass man dann auch Ska dazu nehmen würde,
und dass dann giftiger spielen als die Urskanummern. Also war der Boden quasi
bereitet. Und der Boden ist jetzt gerade überhaupt nicht bereitet.
Richie: Ich finde auch, dass dem Ska
die aussergewöhnliche Persönlichkeit fehlt. Das du wirklich einen herausragenden
Charakter hast, der jetzt für diese Musik steht. Als Ikone zum Beispiel einen
Bob Marley. Und den hast du eigentlich in der Skaszene überhaupt nicht. Das
ist einfach keine Musik, die jetzt permanent in den Top Ten vorhanden ist. Das
ist auch vom Groove her einfach nicht so eine Musik, die zwar nicht in die Charts
gehört. Aber die Frage ist, ob man das will.
Stefan: Da kommt ja noch dazu, dass wenn eine Band, sobald
sie ein bisschen Erfolg hat, sofort als kommerziell eingestuft wird. Das kann
ja gar nicht gehen. Dann hören die eigenen Leute die Musik nicht mehr, und wer
soll es dann noch hören?
Miansha:
Letztlich noch ein paar allgemeine Fragen: Welche Band / Ska-CD würdet
ihr den Surfern/Ska-People besonders ans Herz legen wollen? (Mal abgesehen von
euren eigenen ;-)
The Busters:
Richie: Wir hören ja nichts anderes ausser unsere Musik.
Ist doch klar. Es kommt drauf an. Als Einstieg kannst du immer Bands wie Madness
oder The Specials nehmen. Ebenso Bands wie Slackers oder Hepcat. Aber auch SKA-P,
wenn man es heftiger mag, warum nicht? Muss jeder selber wissen. Was ich in
letzter Zeit doch sehr viel höre, dass sind alte Bob Marley- und The Wailers-Aufnahmen!
Die sind sensationell geil, weil die nur mit zwei Spuren im Proberaum aufgenommen
worden sind, und das ist einfach, obwohl diese Aufnahmen so sensationell schlecht
sind, dieser Groove, den sie produzieren. Einfach unglaublich! Ich sitz davor
und denke, wie kann man sich trauen, diese Platte zu veröffentlichen? Aber
anderseits hörst du dir das an und denkst, das ist unglaublich. Das ist
eine Band, die so einen Groove hinkriegen kann.
Ansonsten klar, die Skatalites auf jeden Fall, als Einstieg.
Was heisst jetzt Einstieg? Die kann man immer hören! Wenn jemand ein bisschen
abgespaceter unterwegs ist, ist Lee Perry auch eine gute Adresse, bedarf aber
etwas Vorbildung. Da muss man wissen, dass das komische Zeug, was der Mann da
veröffentlicht hat, unter dem Label ging, dass er der genialste Produzent
Jamaicas, und eigentlich fast der ganzen Welt ist. So auf einem Sampler gelesen.
Und das Geklepper, was da so passiert, also was für uns jetzt ein bisschen
wie Geklepper klinkt, das waren die ersten Schritte in Richtung Dub. Ansonsten
klar, in der deutschen Skaszene würde ich auf jeden Fall Dr. Woogle empfehlen,
gute Freunde von uns, die auch eine sehr gute Mischung machen. Die guck ich
mir auch immer an. Klar, die etablierteren Sachen wie Nbogo Nbogo.
Stefan: Ring Ding
Richie: Ring Ding auf jeden Fall. Ich
weiss jetzt nicht genau, mit den Senior Allstars ist jetzt glaube ich nichts
mehr. Aber wenn man da an Aufnahmen kommt, da habe ich gerade die Ram Di Danc
gehört, und das ist sensationell zu hören. Der Skafan wird wirklich auf seine
Kosten kommen.
Miansha:
Wen würdet ihr als den "Godfather of Ska" bezeichnen?
The Busters:
Richie: Da gibt’s doch so viele!
Stefan: Naja, Laurel Aitken darf da
auf keinen Fall fehlen.
Richie: Desmond Dekker, Prince Buster.
Desmond Dekker ist schon die süssliche Variante, muss man sagen.
Rob: Don Drummond
Richie: Als Gothfather?
Rob: Er hat die meisten guten Songs
von den Skatalites geschrieben. Also die richtig griffigen Instrumentals waren
von Don Drummond.
Miansha:
Welche SKA-Page würdet ihr den Surfern im Netz besonders empfehlen? Welche
Favoriten habt ihr?
The Busters:
Richie: Wir haben eine persönliche Fanpage. Das soll man
nicht für möglich halten, aber es gibt wirklich jemanden, der sich
die Mühe macht, uns auf Schritt und Tritt nachzugehen und zu verfolgen
und alles was es so an Gerüchten gibt, über uns und die The Busters
Pension Fund, irgendwie auf die Page zu stellen. Das ist www.ruder-than-rude.de.
Ansonsten würde ich klar, wenn Leute am Anfang ihrer Skakarriere sind,
auf jeden Fall www.ska-talk.com empfehlen, weil da alle Themen angesprochen
sind, die es gibt. Es kann jeder einfach rumsurfen und findet eigentlich immer
die passenden Antworten. Auch zu Bands, zu unglaublich vielen Bands. Kompliment
DerDUDE, du machst das sehr gut! Du hast damit angefangen, zusammen mit deinen
Kollegen. Es gibt aber, das kann ich auch sagen, mittlerweile weltweit - fast
in jedem Land - ganz stark in Südamerika - Skahomepages. Man kann bei Google
einfach was eingeben und findet dann diese Pages. Wo dann auch dort die Szene
beschrieben wird. Man soll einfach mal lossurfen. Auch in Japan existieren Seiten.
Also einfach drauflos surfen!
Miansha:
Was steht an nächsten Projekten/ Konzerten an? Wird es eine neue CD geben?
Wann kommt sie raus und was wird auf uns zukommen?
The Busters:
Stefan: Also als nächstes Projekt steht eine neue CD an.
Die wird Ende des Jahres rauskommen, wenn wir gut sind, und alles so hinkriegen,
wie wir uns das jetzt vorstellen. Und was direkt auf die Leute zukommen wird?
Eine Vorauswahl ist veröffentlicht: Unsere Japanized-Single, wo u.a. Sukiyaki
drauf ist. Es wird aber nicht so sein, dass die ganze CD von Japan handeln wird.
Es wird wieder ziemlich gut rumpeln. Das letzte Album war ja ein bisschen entspannter.
Es werden aber auch Rock Steady Baladen und tanzbare Oldschoolskanummern nicht
fehlen. Auf jeden Fall gibt es noch keine Einschränkungen. Wir haben uns
im letzten Jahr richtig was vorgenommen. Freut euch drauf!
Miansha:
Wir verstummen: Sagt doch was ihr wollt ;-) Kommentare, Anmerkungen von euch!!!...
The Busters:
Richie: Es ist gut, Vorbilder zu haben, aber es ist noch wichtiger,
sich selbst treu zu bleiben! Also an alle Bands, die dabei sind sich zu gründen:
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass sich viele Bands untereinander leider
nicht so unterscheiden. Ich finde es wichtig einfach. Man kann das selbst herstellen!
Und deshalb glaube ich,: Wichtig sind Vorbilder, aber es ist noch besser, selber
zu und später dann auch ein Vorbild zu werden/zu sein.
Stefan: Ja. Und nicht so kommerziell
sein! Um Himmelswillen nix verkaufen!
Miansha:
Ich danke euch herzlich für dieses äusserst informative, interessante Gespräch!!
_____________________________________________________________________
Live-Interview: Miansha (CH)
questions/revision: DerDUDE / www.derdude-goes-ska.de (2005)
Photos: Miansha: Busters-Konzert (25.3.2005 / Genf)
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