SKA-Einstieg
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Skapa Flow

Rough Cut (2002)
Skapa Flow Music
Dieses Mal hat es sehr lange gedauert, bis ich die Zeit fand, zu dieser CD auch die Worte zu finden. Und das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen.

Die CD lag so oft im Player, dass sie schon Sprünge zeitigt. Und täglich ein neues, undefinierbares, mal gute, mal gelangweiltes Gefühl.

Aber Butter bei die Fische.
Die Hamburger Komposition "Skapa Flow" (aus Anfang 2001) bestehend aus Alfons Klosterfelde - Posaune, Christian Piep - Saxophon, Hartmut Leubner - Schlagzeug, Heico Dörrig - Gesang/Gitarre, Marc Ewers - Melodica/Bratsche, Matthias Heintzsch - Bass, bringen hier etwas, was sie selber als "A delicate hornsection added to a cruel beat shower." definieren.

Während meine ersten Hörprobenerfahrungen eher distanziert waren, weil es nun doch recht seichter Ska ist, und ich doch auch erst mal etwas verwundert der Stimme des Sängers lauschte (insbes. Song 2 "Jerry Got No Heart"), wandelte sich meine Meinung recht schnell in großes Interesse.

Rough Cut (Demo 2002) ist eine Scheibe mit 11 Stücken, deren Qualität man sich für manch musikalische Premiere wünschen würde! Das ist schon mal viel wert; zumal lediglich 3 Tage im Studio zur Verfügung standen.
Das Ganze geht doch schon recht Nahe in die Richtung Jazz und Rock Steady. Filmmusikalisch? Ich kann die letzte Zuordnung nicht eindeutig begründen.

Charakteristisch ist die Melodica, die dem Sound eine gewisse Helligkeit verleiht. Zu hell? Nichtsdestotrotz mal eine eigene, neue Unterstützung des Bläsersatzes. In der Komposition hört es sich schon ziemlich voluminös und geil an. Kleiner Tipp: Mal den Verstärker etwas lauter aufdrehen als sonst - das wirkt Wunder! Schön wirkt dann auch die Abstimmung zwischen Bläsern und Melodica - sanft und ohne Kampfeslust. Sehr melodisch halt - fast vorsichtig. Zitat aus ihrer Pressemitteilung: "bewusst offen und ‚warm'".

Was einen hier ansonsten erwartet, ist eine leicht wogende, seichte Welle aus offbeat-typischen Klängen der "klassischen E-Gitarre" sowie den, für den Ska obligatorischen Gleichklängen von Bass und Schlagzeug. Pepp kommt dann mehr von Bläsern, Melodica und Sänger, deren jeweiliger Anteil mal mehr mal weniger in den Vordergrund sticht und auch mal ein Solo zulässt. Bestes Beispiel: Song 9 "Consumers Rest". Und dann ist sie wieder da, die Bratsche. Manchmal etwas weinerlich und doch fröhlich - schneller.

Und letztlich, in der Gewöhnung an den Stil, kann man sich sogar in die doch charakteristische Stimme des Sängers "verlieben". Bei "Marvel Heroes" (Song 4) gelingt es ihr z.B. klasse, sich zu präsentieren und in etwas bekannter Tonlage das Beste zu geben. Hier übrigens wieder die sehr markante Bratsche deutlich bestimmend. Für etwas Musikinstrumenten-Uninformierte (wie mich); es hört sich etwas wie eine gedämpfte Geige an. Auch hier wieder auffällig, die seichte Abmischung.

Lobenswert ist in jedem Fall, dass man hier keine Coversongs zu erwarten hat, wie auf vielen anderen Erstlingswerken. Für echte "Traditional-Ska"-listen besteht auch nicht die Befürchtung, dass hier plötzlich eine Mischung mit starken E-Gitarren-Soli die Atmosphäre Jamaicas verblassen lässt. Entgegen manch anderer Meinung, stehen die modernen, jazzorientierten Interpretationen im Vordergrund und ursprünglicher Jamaica-Ska ist dann doch eher zweitrangig, auch wenn in Song 8 "Smiling" oder Song 9 "Consumers Rest" fast der 2-Tone-Welle Tribut gezahlt wird (ohne Klavier oder Synthy) - schon was fetziger.

Was erwartet einen textinhaltlich gesehen?
"Wir erzählen ein paar kleine Anekdoten. Wer daraus eine Botschaft
destillieren will, der soll das gerne tun. Es ist für jeden etwas dabei. [...] Politisch motivierte Texte sollten Menschen machen, die etwas davon verstehen (s. Billy Bragg)."

Fazit:
Gute Aufnahme, gute Musiker, charakteristische Stimme und das Ganze gemischt zu einer etwas modernen, seichten Komposition, die den Traditional Ska huldigt. Freunde dieses Stiles wird es Freude bereiten, Neuinterpretationen mit Bratsche und Melodica zu lauschen. Gleichfalls werden sie durch die klassischen Bläser, die das ganze Werk durchziehen, nicht enttäuscht.
Probleme bekommen Ska-People, die sich eher in Richtung 2-Tone oder Third Wave bewegen. Das ist dann langfristig doch etwas zu eintönig, zu langsam. Manch einem wird auch der Synthy oder das Klavier sowie mal ein reisserisches Gitarresoli fehlen. Aber das ist ja von den Skapa Flow auch nicht gewollt.

In diesem Sinne: Eine Empfehlung wohl eher für Ska-Jazz-Rock-Steady-Traditionalisten.

DerDUDE (September 2002)

Zum Interview: Interview
CD-Kritik: Gentlemen (SKA 2005)


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