So, hier kommt meine
persönliche Einteilung des Reggaes und seiner Spielarten. Die
Liste erhebt selbstredend keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ebenso kann man sicherlich andere Einteilungen plausibel begründen.
Ich habe die Kommentare so kurz wie möglich gehalten, da bleibt
natürlich auch einiges unberücksichtigt. Es ist einfach
ein Versuch, etwas Licht für diejenigen in den Reggae-Dschungel
zu bringen, die sich noch nicht so sehr damit befaßt haben.
Oder bisher nur den von Skabands gespielten Reggae kennengelernt
haben.
REGGAE
Early Reggae
Es ist schwierig einzugrenzen, wie lange der Reggae als früh
zu bezeichnen ist. Man kann aber m.E. sagen, daß der Reggae
zunehmend von Rasta-Inhalten geprägt wurde und schließlich
zur Bildung und Dominanz des Roots Reggae führte.
Skinhead Reggae
Charakteristisch für diese Spielart in den späten 60ern/frühen
70ern ist der Doppelanschlag der Rhythmus-Gitarre sowie der Schlagzeug-Beat,
der sich nicht so recht zwischen Ska und Reggae entscheiden kann.
Manchmal ist es der reggaetypische `One-drop´ d.h. Bass-drum
und Snare betonen die 3 , oder aber sie betonen den Offbeat (2
und 4).
Roots Reggae
Er beherrscht in den 70ern den Reggae. Geprägt ist er durch
Rastafari und den Einfluß traditioneller, auf Resten afrikanischer
Kultur basierender Rasta-Musik (Nyahbinghi). Beispiele: Burning
Spear, Bob Marley & The Wailers, The Abyssinians, Culture.
Aus dem Roots Reggae entwickeln sich unter anderem
Dub
Dub bezeichnet die Urform des Remixens. Ein Song wird dabei zunächst
auf sein Fundament aus Schlagzeug und Bass reduziert. Der Toningenieur
nimmt gelegentlich die anderen Elemente wie Offbeat, Bläser,
Stimmen usw. hinein oder wieder heraus aus dem Mix. Häufig
versieht er einzelne Teile mit Effekten wie Hall, Echo usw.. Beispielhaft
seien genannt King Tubby, Lee Perry, Scientist.
British Reggae
Mitte der 70er werden auch in England Reggaebands gegründet,
immerhin gibt es dort eine große Anzahl jamaikanischer Einwanderer.
Wichtigste Vertreter: Aswad, Steel Pulse, Misty In Roots, Matumbi,
aber auch: UB40.
Lovers´ Rock
Wie der Name schon sagt, geht es hier um Liebeslieder. Berühmt
für seine Errungenschaften in diesem Bereich ist vor allem
Gregory Isaacs, obwohl er ursprünglich eher im Roots tätig
war.
Dub Poetry
1978 erscheint in England das Album `Dread Beat And Blood´
von Linton Kwesi Johnson. Er trägt seine Gedichte auf Roots-Reggae-Riddims
vor. Ein weiterer wichtiger Vertreter ist der Jamaikaner Mutabaruka.
African Reggae
1982 erscheint das erste wichtige Reggae-Album aus Afrika, `Apartheid
Is Nazism´ von Alpha Blondy. Seitdem gibt es eine ganze
Reihe von afrikanischen Reggaekünstlern, von denen Alpha
Blondy (Elfenbeinküste) und Lucky Dube (Südafrika) heute
die erfolgreichsten sind.
Dancehall Reggae (ab ca. 1980)
In dieser Zeit wird der Beat modernisiert und härter. Die
DJs dominieren die Szene, `slackness´ (anzügliche Texte)
gewinnt an Bedeutung, vor allem Yellowman macht sich hier einen
Namen. Mitte der 80er übernimmt das digitale Zeitalter den
Reggae - ein Großteil der Reggaeproduktionen entstehen am
Computer.
Ragga (auch `Raggamuffin´, ab ca. 1992)
Im Song `Murder She Wrote´ von Chaka Demus & Pliers
verbindet die Schlagzeugerlegende Sly Dunbar indische Bhangra-Beats
mit Reggae. Er läutet damit den Ragga ein, bei dem der Offbeat
häufig komplett wegfällt zugunsten minimalistischer,
z.T. regelrecht abgehackter Beats. Auch hier überwiegen die
DJs.
UK Roots/New Roots/Digital Roots
Nachdem Dancehall Reggae die 80er dominiert, beginnen
ab dem Ende der 80er englische (z.T. weiße) Künstler,
mit Hilfe moderner Technologie Roots Reggae zu produzieren (Disciples,
Sound Iration, Alpha & Omega, Iration Steppas)
Modern Roots
Mitte der 90er wird in Jamaika hauptsächlich durch Garnett
Silk ein Revival der Roots-Werte gestartet, zunächst in den
Texten. Später werden auch zunehmend wieder `echte´
Instrumente eingesetzt. Beispiele: Luciano, Morgan Heritage, Capleton,
Sizzla, Anthony B.