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Bandname:
Frau Doktor

Mitglieder (Instrumentenzuordnung):
Üni (Gesang), Hardy (Bass), Sebi (Schlagzeug), Andi B. (Percussion), Matze (Orgel), Oli (Saxophon), Andi W. (Posaune), Thies (Trompete), Manni (Gitarre).


Durchschnittsalter: Anfang 30

Gründungsjahr: 1995

Ort/Herkunft: Wiesbaden


Internetadresse: http://move.to/fraudoktor

CDs (Jahr):
"SÜSSE SKA MUSIK" (EP, 1997) / "MUSS!" (1998) / "DAUERCAMPER" (2000)


Datum des Interviews: November 2001


Die "direkten" Fragen ;-):


DerDUDE:
Hallo! Mal ein paar Fragen direkt zu euch, wenn ich darf?:
Wie würdet ihr eure Musikrichtung als Ska-Band näher charakterisieren?

Frau Doktor:
40 % traditioneller Ska, 20 % Pop-Ska, 20 % Punkrock, 15 % Jazz, 5 % Soul. Man könnte meinen, das sei ein kalkulierter Mix, ist es aber nicht. Wir lieben jeden Harmonie, jeden Schlenker und jedes Brett.
Die Band besteht aus teilweise recht unterschiedlichen Leuten mit unterschiedlichem background, die aber auf wundersame Weise sehr gut zusammenpassen - diese Beschreibung lässt sich auch auf die Musik übertragen.


DerDUDE:
Welchen Song sollte man sich anhören, um eure Musik am besten kennenzulernen?
Frau Doktor:
Um Frau Doktor kennenzulernen, sollte man ein ganzes Album hören, oder wenigstens ein halbes, z.B. "Dauercamper".


DerDUDE:
Hat euch eine Ska-Band /Ska-Persönlichkeit am meisten beeinflußt?

Frau Doktor:
Manni:
Schwer zu sagen; wahrscheinlich die Skatalites und Prince Buster (diese Antwort gilt für die meisten Ska-Bands, auch wenn die es gar nicht wissen).
Hardy:
Für die Punkrocker unter uns waren es anfangs eher die Specials, dann die Ska-Flames und dann das, was Manni sagt.

DerDUDE:
Welches ist euer Lieblingssong/ -CD?

Frau Doktor:
Hardy - Lieblingssong:
"Prisoners" (Kepone) / Lieblingsalbum "Toxic Sons" (Dr.Calypso)
Manni - Lieblingssong: "Don't stay away" (Phyllis Dillon) / Lieblingsalbum: "Curtis" (Curtis Mayfield)
Matze - Lieblingssong: "Sweet Chariot" (Mr. Bungle) / Lieblingsalbum "Solid Ether" (Nils Petter Molvaer)
Sebi - Lieblingsalben: "Rubber Soul" (Beatles) und "Parallel Lines" (Blondie)
Andi B.: Es gibt so viele Songs , die gut sind, aber im Moment höre ich sehr gerne Musik von "The Starlites"(aus dem Baskenland), "Ska Flames" (Damn good), "Hepcat" (Right on time), "The Small Faces"(Ogdens' nut gone flake) und "The Zombies" (Odessey and oracle).
Manni: Thies hat auch was genannt (was von den Foo Fighters - hab' ich leider verschlamp). Üni, Oli und Andi W. hatten leider keine Zeit, sich an dem Interview zu beteiligen. Also nenne ich ich einfach die Platten, die ich für ihre Lieblingsplatten halte (was für ein Spass!).
Üni - Lieblingssong: "Apeman on the Moon" (The Lillingtons) / Lieblingsalbum: "Main Street People" (Four Tops)
Oli - Lieblingssong: "Birk's Works" (Dizzy Gillespie) / Lieblingsalbum: "Scattered Lights" (The Skatalites)
Andi W. - Lieblingssong: "Do Nothing" (The Specials) / Lieblingsalbum: "Musik jetzt" (Die Aeronauten)

DerDUDE:
Welche Musikrichtung, neben dem SKA, hat euch am meisten geprägt?

Frau Doktor:
Punkrock, Jazz und Beat.

DerDUDE:
Gibt es eine Botschaft, die ihr mit eurer Musik vermitteln wollt?

Frau Doktor:
Good Vibrations. Gegenseitiger Respekt in wichtigen Dingen; völlige Respektlosigkeit in unwichtigen Dingen. Spaß haben auf Vertrauensbasis; jenseits der sogenannten Spaßgesellschaft.

DerDUDE:
Hat SKA für euch auch eine politische Bedeutung? Wenn ja, welche?

Frau Doktor:
Manni:
Wenn Weisse Ska spielen, ist das wohl schon ein antirassistisches und somit politisches statement. Man übernimmt "schwarze" Musik und versucht, sie fortzuführen, hat schwarze Künstler zum Vorbild. Musik von Bands, bei denen das grundlegend anders ist, ist kein Ska. Alle nennenswerten Ska-Bands haben eine grundlegend antirassistische Haltung vertreten. Außerdem ist Ska in gewisser Weise eine Musik der einfachen Leute, die das Leben eher aus der Sicht der Arbeiterklasse betrachten. Ska ist also eindeutig links.
AndiB.:
Das ist aber nicht so zu verstehen, dass wir eine Band sind, für die es permanent wichtig ist, eine politische Message rüberzubringen. Wir sind also keine "Polit-Band". Die Leute, die auf unsere Konzerte kommen, sollten sich aber über das bewusst sein, was der Manni oben geschrieben hat!
Manni: Also, ich bin manchmal schonīne Polit-Band. Und der Üni erst...!


Die Fragen zu den Konzerten:


DerDUDE:
Ein paar Fragen zu euren Konzerten: Was waren eure besten und schlimmsten Konzertorte?

Frau Doktor:
Hardy:
Zu guten und schlechten Konzerten hat sicher jeder von uns ne andere Meinung. Generell kann man aber wohl sagen, dass die besten Konzertorte immer die waren, von denen man es vorher gar nicht erwartet hätte (z.B. unser wohl legendärstes Konzert in der "Schrottbar" in Biel anno 1997) und die schlimmsten die sind, wo man stundenlang hineiert und das Konzert dann aus irgendwelchen Gründen nicht stattfinden kann. Wenn es dann auch sonst keine Möglichkeit gibt irgendwo zu spielen, sei es auch noch so improvisiert, ist das schlimm für uns und treibt uns in haltlosen Alkoholkonsum. Das ist uns -toitoitoi- erst einmal passiert.
Manni:
Ja, das war furchtbar... der Alkohol ist ein Teufel!
Andi B.:
Das ist wohl eine sehr persönliche Sache von Bandmitglied zu Bandmitglied. Manchmal ist des Konzert und das Publikum klasse und die Rahmenbedingungen scheiße (Schlafgelegenheit, Essen, Backstage, die Fürsorge der Veranstalter), manchmal ist es genau andersrum und zum Teil ist auch alles super. Ich kann nur sagen, dass mir die Auftritte auf unserer Spanientour Anfang Oktober sehr gut gefallen haben.

DerDUDE:
Auf SKA-Konzerten findet man ja wirklich die unterschiedlichsten Typen. Wie würdet ihr euer Publikum charakterisieren?

Frau Doktor:
AndiB.:
So wie ich es erlebe: in der Regel offen, Tanz- und zum Teil trinkwütig; ein Publikum, was eine gute Atmosphäre verbreitet ist immer liebenswürdig! Nazis können zu Hause bleiben!
Hardy:
Eigendlich ganz normal: Skinheads, Punker, Punk-Rocker (vielleicht auch `n paar RockīnīRoller) und allerhand nette, mehr oder weniger skaverrückte, tanzwütige Weibchen und Männchen von 6-66 Jahren.
Manni:
Das sind entweder tatsächlich noch Teenager, oder Leute, die wie wir ihr ganzes Leben wie Teenager verbringen. Sie sind faul und aufmüpfig, schlingen ihr Essen herunter und bilden sich einiges ein, auf was auch immer.

DerDUDE:
Was spielt ihr als Zugabe (welchen Song)?

Frau Doktor:
Verraten wir nicht.

DerDUDE:
Gibt es ein verrücktes Erlebnis auf einer Tour, welches erzählenswert ist?
Frau Doktor:
Hardy:
Auf Tour ist uns immer stink langweilig. Wir lachen nie, reden untereinander nur das Nötigste und mit Einheimischen schon gar nicht, nehmen grundsätzlich keine Rauschmittel und gehen immer gleich nach den Konzerten ins Bett. Wer das nicht glauben will kann ja demnächst mal auf unserer homepage http://move.to/fraudoktor in den Tourbericht von unserer Spanien-Tour reinschaun.
Andi B.:
Es gibt Dinge, die muss man für sich behalten!

DerDUDE:
Mit welcher Band würdet ihr am liebsten zusammen auftreten?

Frau Doktor:
Hardy:
Mit den Ska-Flames aus Japan.
Manni:
Am besten in Japan! Und mit den Aeronauten aus der Schweiz.

DerDUDE:
Was mich schon immer beschäftigt, ist die Frage, wie ihr mit Nazi-Skins auf Konzerten umgeht?

Frau Doktor:
Wir haben zum Glück keine Nazi-Skins auf unseren Konzerten; oder zumindest geben sie sich nicht als solche zu erkennen, falls welche da sind. Da wir meist in eher links orientierten Läden spielen, regelt sich das wohl irgendwie von selbst. Wenn bei einem Konzert irgendwelche rechtsradikalen Sachen abgehen, und die Veranstalter das nicht direkt unterbinden können, würden wir abbrechen. Das war bisher zum Glück nie der Fall.


Fragen zur Ska-Geschichte:


DerDUDE:
Vielleicht noch ein wenig zum Thema Ska-Geschichte?: Es wird häufig von 1-3 Ska-Welle gesprochen. Inwieweit könnt ihr euch damit identifizieren? Was kommt nach der 3. Ska-Welle? Wie seht ihr die Zukunft des SKA?

Frau Doktor:
Wir können uns überhaupt nicht damit identifizieren. Keine Ahnung, welche Welle gerade abgeht. Es wird immer Leute geben, die solche Musik machen, und immer welche, die sie hören und dazu tanzen wollen. You can't stop the people's music.

DerDUDE:
Wie kommt es, eurer Meinung nach, dass sich die meisten jungen Bands entweder in Richtung traditional Ska oder Ska-Punk entwickeln?

Frau Doktor:
Manni:
Weil es eben sehr naheliegt; wir tun ja sogar beides. Was bliebe denn einer Ska-Band auch sonst übrig? Two-Tone? Das wäre wohl auf die Dauer für Bands und Publikum langweilig, und - mal ehrlich - Madness und die Specials haben mit ihren frühen Werken die Latte dermaßen hoch gehängt, da kommt man sowieso nie auch nur in die Nähe.

DerDUDE:
Warum hat es der Ska so schwer, sich zu etablieren? Ist Ska zum ewigen Schlummerdasein verdammt?

Frau Doktor:
Manni:
Was heißt hier Schlummerdasein? Ska ist doch relativ beliebt. Wenn das wesentlich größere Ausmaße annehmen würde, hätten wir zuerst
- von morgends bis abends die Busters und Dr.Ring-Ding im Fernsehen und im Radio (das ginge ja noch), dann
- Ska-Platten von BAP und Phil Collins (würg!)
- und schon bald würde niemand mehr die Musik wirklich mögen.
Andi B.:
Richtig! Ska ist sehr lebendig und sehr beliebt bei vielen Menschen- von Schlummerdasein kann man nicht sprechen. Es gibt im Ska eigentlich nicht dieses bescheuerte gehype und Stardom. Ska hat das große Glück auf Dauer nicht verkomerzialisiert zu werden, was der Musik vielleicht die Seele rauben würde. (Pathetisch, was?)


Schließlich was Allgemeines:


DerDUDE:
Letztlich noch ein paar allgemeine Fragen: Welche Band / Ska-CD würdet ihr den Surfern/Ska-People besonders ans Herz legen wollen? (Mal abgesehen von euren eigenen ;-)

Frau Doktor:
THE SKA FLAMES "Wail'n'Skal'm" (unsere gemeinsame Lieblingsplatte; gibt es möglicherweise nur auf Vinyl).
PRINCE BUSTER: "The Prophet".
Andi B.:
Für Surfer: Von "Slacktone" (super Surf-Band aus Redondo Beach, California) das Album "Warning reverb instrumentals"

DerDUDE:
Wen würdet ihr als den "Godfather of Ska" bezeichnen?

Frau Doktor:
Nichts gegen Laurel Aitken (Respekt!!!), aber das ist ganz klar Prince Buster.

DerDUDE:
Welche SKA-Page würdet ihr den Surfern im Netz besonders empfehlen? Welche Favoriten habt ihr?

Frau Doktor:
Da soll sich mal schön jeder selbst ein Bild machen.

DerDUDE:
Was steht an nächsten Projekten/ Konzerten an? Wird es eine neue CD geben? Wann kommt sie raus und was wird auf uns zukommen?

Frau Doktor:
Als nächstes gehen wir an Weihnachten auf "Skankin 'round the christmas Tree" -Tour mit RUDE & VISSER aus Holland und COREY DIXON aus USA. Die Daten stehen auf unserer homepage, oder unter www.grover.de auf jeder anderen coolen ska-site. Hoffentlich schaffen wir es, nächstes Jahr gegen Ostern ein neues Album aufzunehmen. Das wird dann die Trilogie beenden, die mit "MUSS!" angefangen hat und mit "DAUERCAMPER" fortgesetzt wurde. Die beste "deutschsprachige" Ska-Platte aller Zeiten also.

DerDUDE:
Ich verstumme: Sagt doch was ihr wollt ;-) Kommentare, Anmerkungen von euch!!!...
Frau Doktor:
Andi B.:
Kommt mit euren Freunden, Freundinnen, Familien, Liebhabern/innen auf unsere Konzerte, macht euch einen schönen Abend und habt Spass!
Manni:
Kartoffelsalatrakete für Bertl, Jordi, Dr. Calypso, Guz und den Schlachthof in Wiesbaden!
Hardy:
Ein dickes Oi ! geht raus an unseren Wanderprediger Bruder Ogi. Guude Besserung und auf bald mal!


DerDUDE:
Ich danke euch für dieses ausführliche und informative Interview!



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